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Anna Berthas Mut

Die Macht des Bösen lebt von der Feigheit der Guten

 

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In Produktion
 

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Sie ist heute fast vergessen: Die Vinzentinerin Anna Bertha Königsegg. In der Zeit des Dritten Reichs war sie als Visitatorin der Barmherzigen Schwestern für hunderte körperlich oder geistig beeinträchtigte BewohnerInnen der Heime ihres Ordens verantwortlich. Menschen für die im "Großdeutschen Reich" kein Platz war. Ab 1940 begannen die Nationalsozialisten im Rahmen der so genannten "Aktion T4" Behinderte und chronisch Kranke systematisch zu ermorden. Fast 300.000 Betroffene fielen der industriellen Tötung durch Gas, Giftspritzen oder Nahrungsentzug zum Opfer. Die Schergen der Mordaktion holten in geheimen Aktionen Behinderte aus privater Pflege, aus Spitälern und aus Heimen ab, um sie in den Tötungsanstalten, wie dem österreichischen Schloss Hartheim, zu vernichten. Als die Heime der Salzburger Vinzentinerinnen geleert und die Schützlinge in die Todesanstalten transportiert werden sollten stellte sich Anna Bertha Königsegg als Erste dem Morden entgegen. Sie kämpfte um die ihr anvertrauten HeimbewohnerInnen und riskierte dabei ihr Leben. 

Die "Aktion T4" und der Mord an Hunderttausenden war "ein offenes Geheimnis". Wie so oft in der Zeit des Dritten Reichs schauten viele weg, wollten nicht glauben was passiert oder waren insgeheim und auch offen dafür. Die Propaganda der Nationalsozialisten suggerierte einen "Gnadentod" für "unwertes Leben" und stellte Behinderte als "Kostenfaktor" dar, als "Ballastexistenzen", die der angespannten Kriegswirtschaft und damit dem "Endsieg" im Wege waren. Dahinter stand der Rassenwahn nationalsozialistischer Politik und weiter Teile der Bevölkerung. 

In den Tagen und Wochen, als der Abtransport der HeimbewohnerInnen drohte, versuchte die Visitatorin mit List und Tücke, mit Verhandlungen, aber auch mit offener Kritik an der so genannten "Euthanasie" ihre Schützlinge zu retten. Sie wusste, was ihnen drohte, wenn sie abgeholt werden, sprach von einem "offenen Geheimnis, welches Los die abtransportierten Kranken erwartet." So kam sie ins Visier der Gestapo - nicht ungefährlich für sie und ihre Mitschwestern denen sie als Visitatorin vorstand. Sie verbot den Schwestern jede Mithilfe bei der Abholung und dem Transport und verlangte von ihnen, die Pforten der Heime zu schließen, wenn die Fahrzeuge zum Abtransport anrollen. 

Schließlich wurde sie von der Gestapo verhaftet. Während sie in der Salzburger Gestapo-Zentrale verhört wurde, rollten die "Schwarzen Busse" an und leerten die Heime in Schernberg und Mariathal. 123 zum großen Teil erwachsene HeimbewohnerInnen aus Scherberg und 70 Kinder aus Mariathal wurden getötet. Nur 29 Menschen konnten fliehen. 

Anna Bertha Königsegg war eine tragische Heldin, die bereit war, ihr Leben zu opfern und alles tat, was sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten konnte, um dem gesetzlich verordneten Morden entgegen zu treten. Ihr Handel war Inspiration für andere, wie Bischof Clemens August Graf von Galen aus Münster. In einer Predigt sprach der Bischof offen von "Mord an den Behinderten". Die Nationalsozialisten stellten darauf hin die "Aktion T4" ein - offiziell, denn heimlich ging das Töten weiter...

Der Rahmen des Films ist ein fiktives Interview: Im Jahr 1948 besucht die Journalistin einer von den Alliierten neu gegründeten Zeitung Anna Bertha Könisgegg im Mutterhaus der Vinzentinerinnen in Salzburg, um mit ihr über die Geschehnisse während der Zeit des Dritten Reich zu reden. 

Der reale Hintergrund: Im Jahr 1948 tauchten tatsächlich die ersten Artikel über Anna Bertha Königsegg und ihren Taten in diversen Medien auf. Die Öffentlichkeit begann sich zaghaft für die Geschichte zu interessieren, Journalisten bereiteten die Inhalte auf und begannen zu recherchieren.

Die Journalistin im Film gab es nicht wirklich. Sie ist ein Symbol für all diejenigen, die dem Fall nachgingen, stellt die Fragen, die damals wahrscheinlich gestellt wurden, und die auch von heutigen Historikern gestellt werden und wahrscheinlich von jedem interessierten Menschen. Wir kennen heute viele Antworten. Wissenschaftler recherchierten die Geschichte, fanden Akten, Briefe, Eingaben, Zeugen, Erinnerungen, Niederschriften von Beteiligten um die tragischen Ereignisse rund um den Abtransport der HeimbewohnerInnen aus Schernberg und Mariathal zu rekonstruieren. Und natürlich die Rolle, die Anna Bertha Königsegg dabei spielte.

Der Film handelt vor allem vom Menschen Anna Bertha, von ihrem Mut und ihrer Intelligenz, von ihren Motivationen und Ängsten, ihrem Charakter, ihrem Glauben und ihren Zweifeln. 

Dazu kommen HistorikerInnen, Schwestern der Vinzentinerinnen, und Angehörige der Opfer zu Wort. Gemischt mit teilweise noch nie veröffentlichtem Footage- Material ergibt sich eine dichte genreübergreifende dramaturgische Struktur zwischen den Spielszenen des Interviews und den investigativen dokumentarischen Teilen. 

Vielleicht kann so Anna Bertha Königsegg der Vergangenheit entrissen werden. Ihr Mut und Ihre Haltung strahlen als Inspiration bis heute. 

"Die Macht des Bösen lebt von der Feigheit der Guten!" 
(Anna Bertha Königseg)

 

 

Fakten

TV-Dokudrama

45 Min.

Buch: Klaus T. Steindl

Regie: Klaus T. Steindl

Produktion: Metafilm

 

Bilder

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